Evangelische Kirchengemeinde Rüdesheim am Rhein

"Älteste Evangelische Kirche im Rheingau"

Liebe Gemeinde,

„Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder,“ lesen wir im Bibelspruch für den Monat Juni im ersten Buch der Könige.

Das Herz empfinden wir als das tiefe Zentrum unseres Lebens. Jemandem ins Herz schauen heißt, ihn zu kennen und zu wissen, was diesen Menschen bewegt, berührt und was er denkt.

Es gehört auch dazu, dass wir einem anderen unser Herz öffnen und zeigen, wie wir wirklich sind, was wir denken, glauben, fühlen. Wir sehnen uns danach, dass es so einen Menschen für uns gibt, dem gegenüber wie ehrlich sein dürfen, der sich interessiert und dem wir nichts vorspielen müssen irgendjemand anderes zu sein, weil dies so verlangt wird. Gerade heute sind viele Menschen vorsichtig, was sie einem Mitmenschen über sich anvertrauen. Denn wie schnell werden heute Nachrichten und Meinungen über andere Menschen verbreitet, ohne selbst darauf Einfluss zu haben. Vor Gott aber brauche ich mich gar nicht bemühen, denn er kennt mich ja und mein Herz. Ich glaube, er ist der Einzige, dem gegenüber wir vollkommen ehrlich und dazu voller Vertrauen sein können.  

Wir möchten gerne wieder in der Kirche zum Gottesdienst zusammenkommen, aber haben möglicherweise auch  Furcht, wir könnten uns anstecken. Normalerweise bedeutet der bewusste Abstand zu einem Menschen, dass wir misstrauisch sind - nun aber geschieht dieses Abstandwahren aus Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen, denn wir  wollen, dass unser Nächster gesund bleibt. Und wenn wir zuhause bleiben, aus Sorge, wir selbst könnten uns anstecken, dann ist dies auch ein     fürsorgliches Tun aus der Liebe zu uns und unserem Nächsten. Jesus hat sich     sehr um kranke und leidende Menschen gesorgt und hatte Verständnis, wenn     sich jemand in die Stille zurückzog. Nun wird wohl der Satz: ‚Ich kann auch     ohne Kirchgang ein Christ sein‘ von ganz besonderer Bedeutung erfüllt. Aber     vielleicht möchten auch Sie für einen anderen Menschen in die Kirche gehen.        

In diesen Tagen, die von der Corona-Pandemie geprägt sind, fühlen wir uns mehr als je zuvor mit allen Menschen in unserer Stadt, in unserem Land und auf der ganzen Erde verbunden. Wir hören und lesen von Kranken, Sterbenden und Toten auf dieser Welt. Jeden und jede kann es treffen, und mit diesem Gefühl der Furcht müssen wir leben. Vom Leben und Sterben aller Menschen weiß Gott allein, und er ist auch den Elendsten und Verlassensten nahe. Er weiß von einem jedem und seinem letzten Herzschlag. Und vom Frieden, den wir Menschen bei ihm finden.   

Für die Mutter oder einen Verwandten, für den der Weg zur Kirche sonntags zum Leben dazugehört. Nun können Sie gehen und nachher davon erzählen.

Für uns alle ist es aufregend und wir sind auch von Sorge erfüllt, wie der erste Gottesdienst im Juni in unserer Kirche sein wird. Besonders auch für uns Verantwortliche im Kirchenvorstand. So bitten wir Sie, liebe Gemeinde, den Kirchenvorstand bei dieser Aufgabe zu unterstützen. Wenn der 10 Uhr Gottesdienst mit seinen 25 Besuchern besetzt sein wird, bieten wir, recht spontan, zusätzlich um          11 Uhr einen weiteren Gottesdienst an. Aber darüber entscheidet der Kirchenvorstand an einem jeden Sonntag.

Nun seien Sie herzlich gegrüßt, ich freue mich auf baldige Begegnungen, Gott segne Sie.

Herzliche Grüße 

Ihre Pfarrerin Christina Roepke-Keidel  im Juni 2020